Inklusion beginnt zunächst im Kopf

Editorial aus Leben & Weg
Ausgabe 3 /Juni 2015 von Dunja Fuhrmann

Dunja Fuhrmann Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) e. V. BSK Bundesvorstand stellv. Leiterin der BSK-Landesvertretung Saarland Fotonachweis Presseproduktion VPA
Dunja Fuhrmann
Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) e. V.
BSK Bundesvorstand
stellv. Leiterin der BSK-Landesvertretung Saarland
Fotonachweis Presseproduktion VPA


Inklusion beginnt zunächst im Kopf und nicht beim Abbau von Barrieren“, äußerte sich Guildo Horn letztens in einem Filmbeitrag auf Sky, wo es um die Bemühungen der Bundesliga ging, der UN-BRK Rechnung zu tragen.

Spontan könnte man Guildo Horn Recht geben. Natürlich gibt es eine Menge sogenannter „Barrieren in den Köpfen“, die weiterhin die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen – oft auch unter dem Aspekt der Fürsorge – rechtfertigen und somit Inklusion erschweren. Doch wie soll man Vorurteile, vermeintliche und anerzogene Berührungsängste im Umgang mit Menschen mit Behinderungen abbauen, wenn Begegnungen aufgrund von Barrieren im Alltag gar nicht erst möglich sind?

Für uns Menschen mit einer Körperbehinderung überwiegen hauptsächlich die baulichen Barrieren, die uns eine Teilhabe verwehren. Da nützt mir die inklusive Grundeinstellung des freundlichen Kinobetreibers erst einmal nichts, wenn der Kinosaal nur über Treppen erreichbar ist. Solange er seine inklusive Haltung nicht in den barrierefreien Umbau einfließen lässt, können wir uns weiterhin nur vor dem Kino über Teilhabe unterhalten.

Gleiches gilt für die sogenannten öffentlichen Gebäuden, wozu nicht nur die Gebäude zählen, die in kommunaler, landeseigener oder bundeseigener Trägerschaft stehen, sondern auch diejenigen, deren Mieter und Eigentümer von Publikumsverkehr leben, also auch Banken, Geschäfte, Restaurants u.v.m.

Immer noch hindern uns Treppen an vielen Gebäuden am uneingeschränkten Zugang und zu schmale Türen oder kleine Bewegungsflächen am Nutzen der Räumlichkeit. Oder wir müssen irgendwo außen rum, gesondert vom Rest und dann am besten noch klingeln, so dass sich der drinnen 2x überlegen kann, ob er uns rein lässt.

Dabei haben wir seit langem Gesetze, die dafür Sorge tragen sollten, dass auch bauliche Barrieren abgebaut und keine neuen geschaffen werden sollten, um Teilhabe zu ermöglichen. Doch wird barrierefreies Bauen in Deutschland vehement umgesetzt und eingefordert? Oder wird stattdessen barrierefreies Bauen nur als Kostenfaktor gesehen und daher unter dem Aspekt „unverhältnismäßiger Mehraufwand“ nicht ausgeführt? Das Bewusstsein, dass Barrierefreiheit eine Investition in die eigene Zukunft darstellt, ist in den meisten Köpfen unserer Volksvertreter noch nicht angekommen. Damit muss endlich Schluss sein!

Neben mangelnder Barrierefreiheit in Gebäuden und dem öffentlichen Raum gibt es auch institutionelle und bürokratische Hürden, die eine gleichberechtigte Teilhabe nach wie vor von Menschen mit Behinderungen erschweren oder ganz verhindern. Trotz dem im Grundgesetz verankerten Anspruch der Gleichberechtigung für alle Menschen sieht unsere Lebenswirklichkeit anders aus. Und um darauf aufmerksam zu machen und sich weiterhin dafür einzusetzen, dass alle Menschen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können, ist es nach wie vor wichtig, dass wir auch am 05. Mai auf die Straße gehen – am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Denn nur auf den Gesetzgeber und unsere Volksvertreter allein, können wir nicht bauen, dass es endlich zu einem Umdenken in den Köpfen kommt! Wir müssen hierzu auch permanent Flagge zeigen!

Eure

Dunja Fuhrmann

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