Bereit für den Urlaub

Mit dem Rollstuhl in den Bayerischen Wald

Ein Reisebericht vom Bayerischen Wald aus Sicht von Rollstuhlfahrern

Anreise.

Unsere Reise in den Bayerischen Wald begann in Schweinfurt und als Ziel haben wir Mauth Ortsteil Fichtenau
im Nationalpark Bayerischer Wald gewählt.
Allerdings ignorierten wir die vom Navi empfohlene Strecke über die A3 Nürnberg – Passau. Wir fuhren im Gegensatz dazu die landschaftlich schönere Strecke entlang der B85 quer durch den Bayerischen Wald.

Unterkunft.

Als wir unsere gewählte Unterkunft in Finsterau erreichten, befanden wir uns auf über 1000 m über dem Meeresspiegel. Wir hatten gleich eine fantastische Aussicht zudem verbunden mit einer sehr ruhigen Lage. Unsere Ferienwohnung war ebenerdig erreichbar, geräumig, geschmackvoll und hochwertig eingerichtet.

Finsterau Ferienwohnung "Auenweg"
Finsterau Ferienwohnung „Auenweg“

Einziger Nachteil, aber das wussten wir schon von vornherein, war eine Stufe innerhalb des Bades. Für Betroffenen mit Restmobilität ist dies kein größeres Problem.

Unser Auto konnten wir direkt neben der Eingangstüre parken.

Buchwald(Bučina) in der Tschechischen Republik.
Bayerischen Wald; Vor 1990 noch unmöglich, mit dem Rollstuhl in die Tschechei
Vor 1990 noch unmöglich, mit dem Rollstuhl in die Tschechei

Unser erster Ausflug ging mit dem Auto und Rollstuhl zur ca. 4,5 km entfernten „Tschechischen Grenze“. Von hier mussten wir dann über den Fußweg in die Tschechische Republik. Es erwartete uns eine alte Grenzbefestigung mit Wachturm aus Zeiten des Kalten Krieges.

Ehemalige Grenzanlage in der CSSR
Ehemalige Grenzanlage in der CSSR

In unmittelbarer Nähe befand sich auf einer Anhöhe ein altes Forsthaus, welches als Hotel der höheren Kategorie umgebaut war. Wir konnten dort leider nicht hoch, da es selbst für meinen e-motion Antrieb und der Unterstützung meiner Frau zu steil war. Wir befanden uns bereits auf dem Gebiet des ehemaligen sudetendeutschen Dorfes Buchwald(Bučina).

ehemaliges Dorf Buchwald (Buchina)
ehemaliges Dorf Buchwald (Buchina)

Es wurde in den 1950er Jahren dem Erdboden gleich gemacht. Heute erinnern nur noch Info-Tafeln eine wiederaufgebaute Kapelle und die Ortstafeln an das Schicksal des Dorfes.
Der Weg war mit Unterstützung zu meistern und dessen ungeachtet hat sich der Ausflug auf alle Fälle gelohnt.

Moldaustausee.

Für den kommenden Tag entschlossen wir uns nach Horni Plana am Moldaustausee in’s nahe Tschechien zu fahren. Es erwartet uns ein großer Parkplatz auf dem wir mit Hinweis auf unsere EU-Parkberechtigung keine Gebühren zahlen mussten. Zum Badestrand führte eine schmale Straße mit einem obendrein vorbildlichem Gehweg.

Barrierefreiheit auf Tschechisch
Barrierefreiheit auf Tschechisch

 

 

 

 

 

 

Für Rollstuhlfahrer ein reiner Genuss, auch waren an jeder Gehwegsabsenkung Aufmerksamkeitsflächen für Blinde eingebaut.

Am Badebereich viel sofort die Zugänglichkeit zum Strand und den Kiosken für Rollstuhlfahrer auf.

Horni Plana am Moldaustausee mit vorbildlichem Strandweg
Horni Plana am Moldaustausee mit vorbildlichem Strandweg

Alle Wege waren mit dunkelrotem Betonpflaster verlegt, so das ein befahren problemlos möglich war. Zudem für sehbehinderte Menschen waren die Wege dank ihres Kontrastes geeignet. Ein schlechte Note gab es für die Behindertentoilette am Badebereich. Hier war die Klobrille lose, was zu gefährlichen Situationen bei Rollstuhlfahrern kommen kann. Zu allem übel war es nicht vorgesehen die Türe zu verschließen denn weder passte der  Euro-Schlüssel, noch gab es eine sonstige Schließvorrichtung.

In das benachbarten Hotel/Restaurant konnten wir problemlos einrollen und die Böhmische Küche auf der Sonnenterrasse genießen.
Später erfolgte dann die Rückfahrt entlang dem Seeufer bis nach Dolni Vitavice von wo aus wir mit der Fähre übersetzten um dann über Nebenstraßen nach Österreich ins Mühlviertel zu gelangen. Von dort fuhren wir weiter zu unserer Unterkunft im Nationalpark. Ein gelungener und entspannter Tag ging zu Ende.

Passau erfüllt viele Erwartungen für die gehenden Touristen, doch leider nicht für uns Rollstuhlfahrer und Fahrerinnen.

Wie den Insidern bekannt ist hat der Oberbürgermeister von Passau Herr Jürgen Dupper die Barrierefreiheit zur Chefsache erklärt. Bis dahin werden sicherlich immerhin noch einige Jahrzehnte ins Land gehen.

Wir begannen unseren Ausflug an der Donaulände und bewegten uns in Richtung Rathausplatz. Hier hat die Stadt Passau einen Plattenweg extra für Rollstuhlfahrer in des bestehende Pflaster integriert. Andererseits fehlt hier wie an anderen Stellen der Stadt die konsequente Umsetzung.

Passau: Durch Pflaster unterbrochener Gehweg an der Donaulände
Passau: Durch Pflaster unterbrochener Gehweg an der Donaulände

Der Weg ist durch Pflastersteine unterbrochen. Das Pflasterbeläge welche generell per Definition nicht für Barrierefreiheit geeignet sind, auch für gehende Menschen unangenehm sind, bemerkt man gerade hier. Viele Fußgänger benutzten auf Grund des besseren Belages wie selbstverständlich die angenehmeren Plattenwege.

Der Rathausplatz lud dann zu einer Brotzeit mit Weißbier ein. Nach der Stärkung marschierten wir weiter vorbei an etlichen Hotelschiffen in Richtung Prinzregent-Luitpold-Brücke. Im Bereich des Römerplatzes verliesen wir das mittelalterliche Pflaster und folgten der viel zu steilen Rampe auf den Donaukai.

Verbaute Behindertentoilette in Passau. Auch hier für Menschen ohne Restmobilität nicht nutzbar.
Verbaute Behindertentoilette in Passau. Auch hier für Menschen ohne Restmobilität nicht nutzbar.
Passau problematisch.

Oben angekommen erlebten wir die erste sehr unangenehme Überraschung. Anstatt wie erhofft dort in Richtung Altstadt weiter zu kommen gibt es für Rollstuhlfahrer keine Möglichkeit mehr den Platz zu verlassen. Außer eben die viel zu steile Rampe wieder hinab zu rollen. So mussten wir halt doch die Straße mit ihrem mittelalterlichen Pflastersteinen nehmen.

Passauer Altstadt katastrophale Wege
Passauer Altstadt katastrophale Wege

Jeder Rollstuhlfahrer weiß wie sich das anfühlt.
Weiter mussten wir dann über eben selbigen Belag auf die andere Seite der Landzunge dem Innkai. Von weitem ein freudiger Anblick, das großformatige Pflaster war in der Mitte des Weges mit großen Betonplatten unterbrochen, welch eine Freude. Doch beim näher kommen die Ernüchterung.

Passau Weg am Inn. Starke Erschütterungen durch zu große Spalten
Passau Weg am Inn. Starke Erschütterungen durch zu große Spalten

Die Platten hatten abgeschrägte Kanten und dann in Verbindung mit dem gewählten Verlegeabstand geht des geholper weiter. Zum Glück ging der Belag nach einigen hundert Meter in eine Asphaltschicht über. Wieder in Richtung Innenstadt erlebten wir abermals Platten im Kopfsteinpflaster,

Passau Fußweg mit Hindernis. Barrierefreiheit nicht konsequent genug
Passau Fußweg mit Hindernis. Barrierefreiheit nicht konsequent genug

die aber leider ebenfalls nicht konsequent genug verlegt waren.
Der direkte Zugang zum Dom über den Domplatz

Passau Domplatz, dank Besandung leicht zu fahren
Passau Domplatz, dank Besandung leicht zu fahren

war dank des besandeten Platzes sehr bequem möglich.
Nach dem Dombesuch machten wir uns schließlich auf den wieder zum Teil sehr beschwerlichen Weg in Richtung Donauufer.

 

Einen Besuch auf der Veste Oberhaus ersparten wir uns dann.

Steinwelten in Hauzenberg.

Ein Besuch wert ist das Granitmuseum Steinwelten in Hauzenberg.

Das Museum liegt in einem ehemaligen Steinbruch am Rande von Hauzenberg und ist zudem vorbildlich barrierefrei.

Hier wird anschaulich die Entstehungsgeschichte der Erde und der Gebirge aufgezeigt. Zudem erfährt der Besucher viel über frühere Arbeitsbedingungen und das Leben der Menschen im Bayerischen Wald.

Für uns Rollifahrer gibt es im Innenbereich einen Treppenlift. Dieser ist dank Euro-Schlüssel zum selbst steuern. Das freundliche Personal steht selbstverständlich auf Wunsch bereit. Zudem ist auch ein Aufzug vorhanden. Der Außenbereich ist ebenfalls mit dem Rollstuhl befahrbar.

Großer Arber.

Der Große Arber ist mit seinen 1456 m der höchste Berg im Bayerischen Wald und deshalb schon fast ein -Muss-.

An der Talstation befinden sich die Behindertenparkplätze neben der zum Leid von uns Rollstuhlfahrern, mit Granitpflaster gebauten Rampe zu den Kassen.

Talstation Großer Arber mit zu steiler Rampe
Talstation Großer Arber mit zu steiler Rampe

Allerdings sind beide Aufgänge ohne fremde Hilfe nicht zu schaffen. Hier hätten die Planer sich mehr Mühe geben müssen.

 

 

Barrierefrei heißt nun mal ohne fremde Hilfe und erschütterungsarm.

Hat man dann die Tickets dann in der Hand, geht es wieder die Rampe runter um dann den Aufzug zum Seilbahneinstieg zu nehmen.

Dort erwarteten uns 2 freundliche Angestellte die mich samt Rollstuhl in die Gondel schoben.

Dort oben angekommen konnten wir erst mal den herrlichen Ausblick in Richtung Böhmer Wald genießen. Anschließend fuhren wir mit dem 2012 errichtete Gläsernen Aufzug hinab zum Arberschutzhaus und zur Eisensteiner Hütte. Hier oben sollte man als Rollstuhlfahrer nicht zu viel erwarten. Die Bewegungsfreiheit ist wie so oft eingeschränkt. Während die Eisensteiner Hütte barrierefrei ausgestattet ist, ist das Arberschutzhaus wie auch der Gipfel auf Grund der Beschaffenheit des Weges faktisch für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar.

Toilette in der Eisenheimer Hütte für Menschen ohne Restmobilität nicht nutzbar
Toilette in der Eisenheimer Hütte für Menschen ohne Restmobilität nicht nutzbar

Die Behindertentoilette in der Eisensteiner Hütte ist wie so oft für Menschen ohne Restmobilität auf Grund der verbauten Bewegungsfläche kaum nutzbar.

 

Großer Arber überall Kopfsteinpflaster
Großer Arber überall Kopfsteinpflaster

 

 

 

 

 

 

Ferner wurden hier am Arber die Wege, oben und ebenso unten mit dem hier üblichen Granitkopfsteinpflaster ausgestattet und erschweren das Fortkommen mit Rollator und Rollstuhl.

Großer Arbersee im Bayerischen Wald.

Der tiefere Sinn der 4 vorhandenen Behindertenparkplätze blieb uns jedoch leider verborgen. Denn Parkplatz und Zugang zum See waren mit lockerem Kiesel befüllt. Eine Fortbewegung im Rollstuhl war wiedermal erschwert möglich.

Gehweg am großen Arbersee nicht für Rollstühle und Rollatoren
Gehweg am großen Arbersee nicht für Rollstühle und Rollatoren

Der eigentliche Weg um den See ist für Menschen mit Gehbehinderung kurzum völlig ungeeignet und nicht befahrbar.

Gehweg am großen Arbersee nicht für Rollstühle und Rollatoren geeignet
Gehweg am Großen Arbersee nicht für Rollstühle geeignet

 

 

 

 

 

 

 

 

Selbst das angeschlossene Gasthaus ist für Rollstuhlfahrer nicht betretbar.

Arberseehaus im Bayerischen Wald für Rollstuhlfahrer tabu
Arberseehaus im Bayerischen Wald für Rollstuhlfahrer tabu

 

 

 

 

 

 

Anders ausgedrückt, den Großen Arbersee kann man sich als Rollstuhlfahrer komplett sparen.

Fazit.

Aus unserer Sicht gab es schließlich von den besuchten Ausflugszielen nur zwei, die uns in Bezug auf Behindertengerechtigkeit überzeugten. Das waren zum einen der Moldaustausee in der Tschechischen Republik und die Granitwelten in Hauzenberg.

Mit Einschränkungen sind der Große Arber und Buchwald(Bučina) zu nennen.

Als Rollifahrer gab es ganz schlechte Noten für Passau und zudem für den Großen Arbersee.

Was uns bei unserem 5tägigem Aufenthalt besonders negativ auf viel, ist die Allgegenwertigkeit von Granitpflaster.
Dieses ist in sehr vielen Ortschaften dennoch zu sehen und wird auch aktuell noch großflächig für Straßen, Plätze und Gehwege verwendet obwohl es in die heutige Zeit nicht mehr passt.

Uns erreichte noch ein sehr interessantes Angebot für barrierefreie Radtouren im Bayerischen Wald. Dieses haben wir leider nicht testen konnten, ist aber Wert hier erwähnt zu werden.
Nähere Inf0’s unter http://www.e-bike-radtouren.de/reiseangebote/barrierefreier-aktivurlaub/

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