Archiv der Kategorie: Versorgung mit Hilfsmitteln

Der richtige Weg zum Hilfsmittel

Der richtige Weg zum Hilfsmittel

Der erste Schritt zur Hilfsmittelversorgung geht über ihr Sanitätshaus des Vertrauens. Teilen Sie mit sie hätten gerne eine Beratung für ein Hilfsmittel das sie möchten (z.B. Rollstuhl oder Patientenlift). Das Sanitätshaus bringt Ihnen ein Vorführmodell vorbei oder ein Außendienstmitarbeiter des Herstellers kommt zusammen mit einem Mitarbeiter des Sanitätshauses zu Ihnen nach Hause um sie so gut wie möglich und nach bestem Gewissen zu beraten. Man notiert verschiedene Sachen für den Bestellprozess, wie z.B. Sonderbau Ausführungen. Dem Sanitätshaus wird ein Kostenvoranschlag geschickt.

Kostenträger für Hilfsmittel

ist in der Regel ihre Krankenkasse. Ist dies nicht der Fall, leitet die Krankenkasse ihren Antrag an die zuständige Kostenstelle weiter. Mögliche andere Kostenträger sind die Berufsgenossenschaft, Fürsorgestellen oder das Sozialamt. Privat Krankenversicherte sollten mit ihrer Krankenversicherung vorher Kontakt aufnehmen, um abzuklären inwieweit bestimmte Hilfsmittel im Leistungskatalog enthalten sind.

Wichtig für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist das vorlegen einer ärztlichen Verordnung (Rezept). Es sollte die genaue Bezeichnung des Hilfsmittel, sowie des benötigten Zubehörs und die Diagnose mit ICD Code draufstehen. Hilfsmittel fallen nicht unter die Budgetierung, das heißt sie belasten nicht das Heilmittelbudget des verschreibenden Arztes.

Die ärztliche Verordnung lassen Sie bitte dem Sanitätshaus zu kommen. Der Kostenvoranschlag wird mitsamt der ärztlichen Verordnung vom Sanitätshaus an die Krankenkasse weitergeleitet. Über die beantragte Leistung hat die Krankenkasse 3 Wochen Zeit. Sollte ein externer Gutachter (z.B. MDK) hinzugezogen werden, verlängert sich die Frist um weitere 2 Wochen, also auf 5 Wochen.

Sollte die Frist überschritten werden, ohne dass sie von ihrer Krankenkasse gehört haben, gilt die Genehmigungsfiktion. Das heißt, sie dürfen sich das Hilfsmittel selber anschaffen und ihrer Krankenkasse in Rechnung stellen. Dies wurde 2013 durch das Patientenrechtegesetz (SGB V § 13 Absatz 3a) bestimmt.

Unter Umständen kann es vorkommen, dass die Krankenkasse bei Ihnen oder Ihrem Arzt eine Stellungnahme anfordert. Eine Beschreibung der Person mit Name, Diagnose und Alter, sowie auftretenden motorischen, sensorischen oder kommunikativen Problemen sollten aussagekräftig rüber gebracht werden. Ebenso sollte die Beratung inklusive erfolgreicher Erprobung und die zu erwartende Verbesserung nach der Ausstattung mit dem Hilfsmittel erwähnt werden.

Krankenkassen

können vor Bewilligung eines Hilfsmittels eine Prüfung durch den medizinischen Dienst (MDK) anordnen. Der MDK kann seine Entscheidung durch einen Besuch oder nach Aktenlage herbeiführen. Die Beauftragung eines unabhängigen Beraters ist nach Meinung von Fachleuten nicht rechtens und einer Weitergabe Ihrer persönlichen Daten zur Überprüfung an den unabhängigen externen Berater sollten Sie ablehnen.

In vielen Fällen wird pauschal eine Ablehnung der Kostenübernahme schriftlich per Brief mitgeteilt. Üblicherweise finden Sie am Ende der Ablehnung einer Rechtsbehelfsbelehrung. Sie haben innerhalb eines Monats Zeit Widerspruch gegen diesen Bescheid einzulegen. Dieser Widerspruch kann formlos erfolgen. Es sollte per Einschreiben geschickt oder gegen Unterschrift in der Geschäftsstelle ihrer Krankenkasse abgegeben werden. Die ausführliche Begründung kann in einem späteren Zeitraum nachgereicht werden. Hierzu finden Sie Hilfestellungen bei diversen Sozialverbänden wie z.B. dem VdK.

Wenn Sie eine Genehmigung der Kostenübernahme ihrer Krankenkasse in ihrem Briefkasten haben, setzen Sie sich bitte mit ihrem Sanitätshaus in Verbindung. Unter Umständen kann es vorkommen dass sie eine Genehmigung früher in den Händen halten wie ihr Sanitätshaus. Somit kann man die Bestellung früher in Auftrag geben und somit verkürzt sich die Wartezeit auf ihr neues Hilfsmittel. Sobald ein Liefertermin bekannt ist wird es Ihnen vom Sanitätshaus telefonisch mitgeteilt.

Der perfekte Rollstuhl

Der perfekte Rollstuhl,
eine abenteuerliche Suche – ohne zufriedenstellende Lösung.

Ein Text von Adrian Tudyka.

Wenn man als Mensch mit Behinderung auf einen Rollstuhl oder sogar Elektrorollstuhl angewiesen ist, verbringt man sehr viel Zeit des Tages auf seinen 4 Buchstaben. Umso wichtiger ist es einen Rollstuhl zu haben, der für die eigenen Bedürfnisse perfekt angepasst ist. Er muss die Behinderung ausgleichen. Der Sitz sollte bequem sein. Wendig müsste er sein. Vielleicht müsste er sogar ins Auto passen.

Ist man aber schwerbehindert und braucht viele spezialangefertigte Sachen, stößt man schnell an die Grenze des machbaren. Ebenso sind Sonderbau-Anfertigungen sehr schnell sehr teuer. Es muss ja schließlich extra für jemanden gebaut werden und ist kein Produkt von der Stange.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es leider keine perfekte Lösung für Behinderte bzw. Schwerbehinderte gibt. Mal ist der Sitz zu hoch und man passt mit den Knien somit nicht mehr unter den Tisch. Dann ist der Rollstuhl zu breit oder zu lang und kommt in der Wohnung nicht mehr so einfach durch. Die eine oder andere Firma ist bei Reparaturen unzuverlässig. Die Elektronik von der Firma A kann man nicht mit der Steuerung der Firma B bestellen.
Selbst beim Vorführen von verschiedenen Modellen im eigenen Heim, kommen auch die Mitarbeiter der Hersteller schnell ans Ende ihrer Möglichkeiten.
Egal was es ist, es wird immer irgendwo Haken.

Das Problem dabei ist, dass wir als Behinderte auf Kompromisse eingehen müssen, damit unsere Behinderung ausgeglichen werden kann. Das ist keine zufriedenstellende Lösung. Es fehlt ein einheitlicher Standard solcher Hilfsmittelhersteller. Hinzu kommen noch die unverschämt hohen und absolut unberechtigten Preise der Hersteller, die immer ein Dorn im Auge der Krankenkassen sind.

Für so einen teuren Preis erwarte ich, dass ein Rollstuhl so ist wie ich ihn möchte. Denn im Mittelpunkt stehe ich. ICH.