Archiv der Kategorie: Barrierefreiheit & Inklusion

Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer – Hartnäckigkeit lohnt sich

Lebensmittelkette stattet Filiale mit einem Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer aus!

Nach unserem intensivem Schriftverkehr mit der Lebensmittelkette TeGut entschloss sich die Geschäftsführung in Fulda immerhin eine ihrer Filialen mit einem Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer auszustatten.

Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer
Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer der Fa. Wanzl

Was in der heutigen Zeit zur Standartausstattung eines jeden Lebensmittelhändlers gehören sollte bedurfte erst einen intensiven Schriftverkehr über einen Zeitraum von sage und schreibe 6 Monaten, da diese nach Auskunft der Kundeninformation nicht mehr in des Ladenkonzept von TeGut gehören würde.

Erst eine Schreiben an die Geschäftsleitung der Handelkette  brachte eine wenn auch sehr kleine Wende.

Nun wird zumindest die Filiale Gretel-Baumbach-Str. in Schweinfurt mit einem solchen Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer ausgestattet.

Bleibt zu hoffen, das alle Filialen in nächster Zeit nachgerüstet werden.

 

Erstmals „Runder Tisch“ zum Thema Inklusion und Barrierefreiheit im Landratsamt Schweinfurt

Herzensangelegenheit für Landrat Töpper – Jeder kann zu einem
unvorhersehbaren Zeitpunkt selbst zu einem Behinderten werden.

 

Erstmals hat im Landratsamt Schweinfurt ein Runder Tisch zum Thema Inklusion und Barrierefreiheit stattgefunden.
Im Bild: Landrat Florian Töpper (vorne Mitte) und der Behindertenbeauftragte des Landkreises Schweinfurt Konrad Bonengel (vorletzte Reihe rechts) begrüßten die Teilnehmer des ersten Runden Tisches zum Thema Barrierefreiheit und Inklusion im Landratsamt Schweinfurt. (Foto: Landratsamt Schweinfurt, Uta Baumann)

Erstmals hat im Landratsamt Schweinfurt ein Runder Tisch zum Thema
Inklusion und Barrierefreiheit stattgefunden. Von verschiedenen Seiten wie etwa den bestellten
gemeindlichen Behindertenbeauftragten sowie Behindertenverbänden wurde der Wunsch nach solch einer Veranstaltung an ihn herangetragen, um sich stärker zu vernetzen und gegenseitig Hilfestellung zu geben.

Gerne griff Landrat Töpper diese Idee zusammen mit Konrad Bonengel, dem
Behindertenbeauftragten des Landkreises Schweinfurt, auf. „Die Barrierefreiheit für Behinderte ist
für mich eine Herzensangelegenheit“, so Landrat Töpper. Es gelte, die Schwierigkeiten von
Behinderten den Nichtbehinderten zu vermitteln, da Jedermann zu unvorhersehbaren Zeitpunkten
selbst zu einem Menschen mit Behinderung werden kann.
Er berichtete den Anwesenden, dass der Landkreis Schweinfurt selbst ein Partner der Lebenshilfe
beim Inklusionsprojekt „Eine Region wird aktiv – Arbeit inklusiv“ sei. Die Umsetzung des
Inklusionsgedankens in seinen vielfältigen Facetten werde im Landratsamt sehr ernst genommen
und stelle eine breite Querschnittsaufgabe in vielen Abteilungen und Sachgebieten dar.
Alle Teilnehmer waren sich einig, dass diese Gesprächsrunde aus Vertretern des Landratsamtes,
der gemeindlichen Behindertenbeauftragten, Vertretern der offenen Behindertenarbeit, dem Blinden-
und Sehbehindertenbund, der Selbsthilfegruppen Körperbehinderter und Hörgeschädigten sowie
weiteren Behindertenverbänden regelmäßig stattfinden sollte. Der Austausch untereinander sei
wichtig, auch um dem Gefühl vorzubeugen, alleine in diesem Bereich tätig zu sein.
Wünschenswert sei es dazu auch, die Gemeinden im Landkreis stärker zu sensibilisieren. Aktuell
haben von 29 Gemeinden/Städten und Märkten im Landkreis Schweinfurt bereits zwölf Kommunen
einen gemeindlichen Behindertenbeauftragten bestellt. Die Bestellung ist nach dem Bayerischen
Behindertengleichstellungsgesetz eine „Soll“-Vorschrift und somit eine freiwillige Aufgabe. Und es
geht voran: Aktuellstes Beispiel ist die Gemeinde Geldersheim, die auf Anregung des Landratsamt Schweinfurt in ihrer jüngsten Sitzung nun einen Behindertenbeauftragten bestellt hat. Eine erst
vor kurzen erfolgte Abfrage des Landratsamtes hat zudem ergeben, dass auch die Gemeinde
Wipfeld in Kürze einen Behindertenbeauftragten bestellen will.
Bei neuen öffentlichen Bauvorhaben sollte auf Barrierefreiheit geachtet werden, lautete eine weitere
Forderung der Gesprächsrunde. Das betreffe nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch z.B. die
Bedürfnisse von Gehörgeschädigten. Es gilt, Ideen für mehr Barrierefreiheit „auch in den Köpfen“ zu
entwickeln.
Melanie Höller von der Lebenshilfe sowie Karin Eberle von der Freiwilligenagentur Gemeinsinn
warben für das Projekt „Freiwilliges Arbeiten für Menschen mit Behinderung“ und luden zu einem
Informationsabend in die Werkstatt Sennfeld der Lebenshilfe am 7.Juni ein. Nähere Informationen
gibt es auf der Internetseite der Lebenshilfe unter www.lebenshilfe-schweinfurt.de oder per E-Mail
an offene-hilfen@lh-sw.de.

Mit dem Smartphone barrierefrei reisen

Für Rollstuhlfahrer, Gehörlose und Blinde: Mit dem Smartphone barrierefrei reisen

(Quelle: http://rollingplanet.net)

Wie können in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen und auch gehörlose Fahrgäste bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln besser unterstützt werden? Dieser Frage stellte sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und entwickelte ein Konzept für eine mobile Reiseassistenz, das das Reisen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zukünftig einfacher machen soll – „und zwar für alle“, wie das DLR betont.

Oftmals sind die Umsteigezeiten für Rollstuhlfahrer oder Sehbehinderte Menschen im ÖPNV zu kurz bemessen und die vorhandenen Informationssysteme nur unzureichend nutzbar. Bis 2022 schreibt das Personenbeförderungsgesetz in Deutschland nun eine „vollständige Barrierefreiheit“ beim ÖPNV vor.

In dem internationalen Forschungsprojekt „aim4it“ (Accessible and Inclusive Mobility for All with Individual Travel Assistance) entwickelten die Wissenschaftler des DLR-Instituts für Verkehrssystemtechnik deshalb gemeinsam mit den Projektpartnern eine Lösung für dieses Problem, die für alle Fahrgäste hilfreich sein soll: ein leicht übertragbares Konzept einer Mobilitätsassistenz, um die bestehenden Barrieren des ÖPNV für alle Fahrgäste abzubauen. Herausgekommen ist dabei unter anderem die interaktive aim4it-App. Die Projektergebnisse werden heute im Verkehrsmuseum in Wien vorgestellt. In der österreichischen Stadt und in Karlsruhe wurde das Konzept Anfang dieses Jahres getestet.

So funktioniert es

Gehörlose oder blinde Reisende, Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer können sich die App auf ihrem Smartphone installieren und ihr entsprechendes Anwenderprofil hinterlegen. Daraufhin erhalten sie die „für ihre Bedürfnisse perfekt zugeschnittenen barrierefreie Störungsmeldungen oder aktualisierte Routeninformationen“, versprechen die Initiatoren. Dies erfolgt beispielsweise bei blinden und sehbehinderten Fahrgäste über den Text-to-Speech-Kanal und bei Hörbehinderten oder gehörlosen Reisende in Gebärdensprache durch einen animierten Avatar, der für jede beliebige Sprache programmiert werden kann. „Aim4it ist aber mehr als eine App“, so Prof. Karsten Lemmer, Leiter des DLR-Instituts für Verkehrssystemtechnik. „Es ist vielmehr ein offenes, leicht übertragbares Konzept, das die Verkehrsunternehmen den Fahrgästen über ihre bereits bestehende Reise-Apps zur Verfügung stellen können.“

Mit Hilfe der aim4it-App kann der Reisende bereits bei der Planung angeben, ob er eine verlängerte Umsteigezeit benötigt und wann er möglicherweise Hilfe beim Ein- und Aussteigen braucht. Dem Bus- oder Straßenbahnfahrer wird daraufhin auf einem Display im Fahrzeug angezeigt, an welcher Haltestelle er einen längeren Aufenthalt einplanen muss, um auf die später zusteigenden Fahrgäste zu warten. Zudem sieht er so schon im Vorfeld, wann er die Rampe für Rollstuhlfahrer ausklappen muss.

Alternativrouten in Echtzeit

Das Fahrplanauskunftssystem der App erhält von dem jeweiligen Verkehrsunternehmen aktuelle Informationen über die benötigten Verkehrsmittel. Wenn eine Störung auf der geplanten Route eintritt, erhält der Fahrgast in Echtzeit eine Nachricht auf seinem Smartphone. Über die aim4it-App kann er eine Alternativroute anfordern, die seine speziellen Bedürfnisse berücksichtigt. Wenn etwa in einer Haltestelle der Fahrstuhl ausfällt, erhält ein Rollstuhlfahrer eine Meldung und zum Beispiel den Vorschlag eine Station früher aus zusteigen und dort den Aufzug zu benutzen.

Die Wissenschaftler sind, obwohl die erste Testphase beendet ist, nach wie vor an Feedback interessiert: Direkt über die aim4it-App können die Fahrgäste ihre Erfahrungen zu den neuen Funktionen und die Unterstützung durch die Fahrer mitteilen. Der Verkehrsanbieter erhält so wichtige Hinweise, wie die Services weiter verbessert werden können.

Das Forschungsprojekt aim4it wird im Rahmen des EU-Förderprogramms Future Travelling (ENT3) abgewickelt. aim4it wird gefördert durch: das deutsche Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und das National Centre for Research and Development aus Polen. Projektpartner sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Bergische Universität Wuppertal, FH Joanneum GmbH, Fluidtime Data Services GmbH, INIT AG, Matrixx IT Services GmbH, Mentz Datenverarbeitung GmbH, Mentz Datenverarbeitung Austria GmbH, Polytechnische Universität Poznan, SignTime GmbH, Wiener Linien GmbH & Co KG.

Menschenrecht Barrierefreiheit!

Artikel aus Leben & Weg
Ausgabe 3 /Juni 2015 von Dunja Fuhrmann


 

Barierefreiheit ist ein Menschenrecht Dunja Fuhrmann Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) e. V. BSK Bundesvorstand stellv. Leiterin der BSK-Landesvertretung Saarland Fotonachweis Presseproduktion VPA
Dunja Fuhrmann
Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) e. V.
BSK Bundesvorstand
stellv. Leiterin der BSK-Landesvertretung Saarland
Fotonachweis Presseproduktion VPA

Menschen sind nicht behindert, sondern sie werden behindert“. Diesen Satz hört man häufig bei Diskussionen um Inklusion. Zu ersterem bin ich anderer Meinung. Ich bin selbst behindert, da ich durch meine spastische Paraplegie am Laufen gehindert werde – schlicht gehbehindert bin. Ich finde es auch nicht weiter schlimm, mich als Mensch mit einer Behinderung zu bezeichnen. Schlimm finde ich allerdings die Tatsache, dass ich in meinem Lebensalltag permanent durch Barrieren behindert werde. Und hier spreche ich nicht nur von den sogenannten „Barrieren in den Köpfen“ – also der Ignoranz von Menschen, die immer noch nicht kapiert haben, dass es Menschenrechte gibt, die für Alle zu gelten haben – ob behindert oder nicht – und für deren Umsetzung man alle Vorkehrungen zu treffen hat! Nein, ich spreche über bauliche Barrieren, die dazu führen, dass mir Teilhabe verwehrt wird und ich die Barrieren in meiner Umwelt in meinem Lebensalltag miteinplanen muss. Menschenrecht Barrierefreiheit! weiterlesen

Inklusion beginnt zunächst im Kopf

Editorial aus Leben & Weg
Ausgabe 3 /Juni 2015 von Dunja Fuhrmann


 

Dunja Fuhrmann Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) e. V. BSK Bundesvorstand stellv. Leiterin der BSK-Landesvertretung Saarland Fotonachweis Presseproduktion VPA
Dunja Fuhrmann
Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) e. V.
BSK Bundesvorstand
stellv. Leiterin der BSK-Landesvertretung Saarland
Fotonachweis Presseproduktion VPA


Inklusion beginnt zunächst im Kopf und nicht beim Abbau von Barrieren“, äußerte sich Guildo Horn letztens in einem Filmbeitrag auf Sky, wo es um die Bemühungen der Bundesliga ging, der UN-BRK Rechnung zu tragen.

Spontan könnte man Guildo Horn Recht geben. Natürlich gibt es eine Menge sogenannter „Barrieren in den Köpfen“, die weiterhin die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen – oft auch unter dem Aspekt der Fürsorge – rechtfertigen und somit Inklusion erschweren. Doch wie soll man Vorurteile, vermeintliche und anerzogene Berührungsängste im Umgang mit Menschen mit Behinderungen abbauen, wenn Begegnungen aufgrund von Barrieren im Alltag gar nicht erst möglich sind?

Für uns Menschen mit einer Körperbehinderung überwiegen hauptsächlich die baulichen Barrieren, die uns eine Teilhabe verwehren. Da nützt mir die inklusive Grundeinstellung des freundlichen Kinobetreibers erst einmal nichts, wenn der Kinosaal nur über Treppen erreichbar ist. Solange er seine inklusive Haltung nicht in den barrierefreien Umbau einfließen lässt, können wir uns weiterhin nur vor dem Kino über Teilhabe unterhalten. Inklusion beginnt zunächst im Kopf weiterlesen

Barrierefreiheit, Inklusion und demografischer Wandel

Barrierefreiheit, Inklusion und demografischer Wandel.
Entweder barrierefrei oder nicht barrierefrei, ein bisschen Barrierefreiheit gibt es nicht!
Barrierefreiheit

bezeichnet im deutschen Sprachgebrauch eine Gestaltung der baulichen Umwelt in der Weise, dass sie von Menschen mit Behinderung und von älteren Menschen in derselben Weise genutzt werden kann wie von Menschen ohne Behinderung.

(dev. wikipedia)
Inklusion


heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, dann ist das gelungene Inklusion.
(dev. Aktion Mensch)

Politiker landauf und landab beteuern die Wichtigkeit der Barrierefreiheit und ihren persönlichen Einsatz dafür.
Doch im selben Atemzug heißt es dann oft wir würden ja gerne mehr machen uns fehlt leider das Geld oder der Denkmalschutz muss als Argument herhalten.
Oftmals sind Bekundung und Wille zwei ungleiche Brüder.

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