Barrierefreiheit, Inklusion und demografischer Wandel

Barrierefreiheit, Inklusion und demografischer Wandel.
Entweder barrierefrei oder nicht barrierefrei, ein bisschen Barrierefreiheit gibt es nicht!
Barrierefreiheit

bezeichnet im deutschen Sprachgebrauch eine Gestaltung der baulichen Umwelt in der Weise, dass sie von Menschen mit Behinderung und von älteren Menschen in derselben Weise genutzt werden kann wie von Menschen ohne Behinderung.

(dev. wikipedia)
Inklusion


heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, dann ist das gelungene Inklusion.
(dev. Aktion Mensch)

Politiker landauf und landab beteuern die Wichtigkeit der Barrierefreiheit und ihren persönlichen Einsatz dafür.
Doch im selben Atemzug heißt es dann oft wir würden ja gerne mehr machen uns fehlt leider das Geld oder der Denkmalschutz muss als Argument herhalten.
Oftmals sind Bekundung und Wille zwei ungleiche Brüder.

Das Barrierefreiheit und Denkmalschutz sehr gut vereinbar sind zeigt das Beispiel am Barockschloss Werneck in Bayern.
Hier wurden rollstuhlgerechte Wege  in den mittelalterlichen Schlosshof vorbildlich integriert.

Barrierefreiheit und Denkmalschutz am Barockschloss Werneck
Barrierefreiheit und Denkmalschutz am Beispiel Barockschloss Werneck
Die Frage darf nicht lauten, was die Barrierefreiheit kostet sondern die Frage muss sein, was kostet es uns wenn wir es jetzt nicht machen!

z.B. Umsatzeinbusen für den Handel, Imageverlust, Bevölkerungsschwund, unzufriedene Einwohner um nur Einige zu nennen.

  • Unsere Gesellschaft wird immer Älter und so wird es leider auch in Zukunft mehr Menschen mit Einschränkungen geben.
  • Die Gemeinden müssen langfristig ums überleben kämpfen.
  • Die Gemeindevertreter müssen sich schon jetzt Gedanken machen, wie sie ihre Ortschaften für die Zukunft attraktiv machen.
  • Das Wohlergehen der Einwohner wird mit der Überalterung der Gesellschaft immer mehr im Mittelpunkt stehen müssen.
  • In den nächsten 30 Jahren wird die Anzahl der Geisterortschaften, bedingt durch den demografischen Wandel wie bereits jetzt schon in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns oder Sachsen-Anhalts zunehmen.
  • Gemeinden dürfen sich nicht auf den Speckgürtel der Städte verlassen
  • Wer nicht jetzt die Weichen stellt, braucht sich später nicht wundern wenn seine Ortschaft später verödet.

Vielerorts versucht man dem bereits entgegen zu wirken, doch ist es alleine mit der Ansiedlung von Geschäften,  alten gerechten Wohnungen, Vereinsleben usw. nicht getan.
Diese Maßnahmen können nur einen Teil zur Attraktivität der Ortschaften beitragen.

Es muss hierbei verstärkt das Augenmerk auf Wege, Plätze und barrierefreie Veranstaltungsorte und Kulturstätten gelegt werden.

 

Was nützen die besten Wohnanlagen und Einkaufsmöglichkeiten, 

  • wenn die zunehmend älter werden Bürger auf marode Gehwege ohne Absenkungen treffen
  • wenn Geschäft und gemeindliche Einrichtungen nur über erschütterungsbehaftete Oberflächen wie Kopfsteinpflaster erreichbar sind
  • wenn es keine wirklich barrierefreien Veranstaltungsorte gibt
  • wenn Eitelkeiten von Gemeindevertretern vor dem Allgemeinwohl stehen
  • wenn kein wirklicher Wille zur Veränderungen besteht
  • wenn heutige Minderheiten und morgige Mehrheiten ignoriert werden.

Barrierefreiheit und Inklusion betrifft nicht nur einen Einzelnen, den man regelmäßig begegnet, Barrierefreiheit betrifft die unterschiedlichsten Krankheitsbilder und neben den Behinderten auch die nächste schwache Gruppe der Bevölkerung. nämlich unsere älteren Mitmenschen. Hier sind besonders die Benutzer von Rollatoren zu betrachten.

Handelsüblicher Rollator
Handelsüblicher Rollator

Durch holprige Untergründe, sprich Kopfsteinpflaster etc. ergeben sich wie beim Rollstuhlfahrer auch Schmerzzustände, erschwertes Fortkommen und ein höherer Verschleiß an den Hilfsmittel.

 

Barrierefreiheit geht immer von den Schwächsten unter den Behinderten aus d. h. am Beispiel eines Rollstuhlfahrers:
Sie sehen einen Rollifahrer mit befestigten Gehhilfen, dieser ist sicherlich in der Lage sich einige Meter mit Hilfe der Stützen fortzubewegen, wobei sie lieber Leser die Schmerzen des Betroffen nicht spüren können.

Dagegen kann ein Rollstuhlfahrer z.B. mit einer Muskelschwäche die vor ihm befindliche Türe nicht öffnen.

Ein guter Bekannter dessen geistig sehr aktive Mutter im Rollstuhl sitzt, u.a. an Blasenschwäche leidet, sagte unlängst zu mir, „wenn ich sie über Kopfsteinpflaster schiebe, dann darf ich ihr nach spätestens 200 Meter die Windeln wechseln“.

Liebe LeserInnen, sprechen Sie uns Betroffene einfach mal darauf an, sie werden die Situationen danach mit anderen Augen sehen!

Ich als Rollifahrer höre immer wieder von nicht behinderten Menschen solche Sätze wie

„Da kommt doch jeder Rollstuhlfahrer hoch“

oder

„Die drei Stufen wirst Du doch wohl schaffen“.

Allerdings die schlimmste, diskriminierenste und zudem dümmlichste Aussage kam von der Seniorenbeauftragten einer Nordbayrischen Gemeinde, die allen Ernstes meinte, die zwangsläufige Benutzung mit Rollstuhl einer viel befahrenen Bundesstraße sei verkehrstechnisch sinnvoll, da hierdurch die Autos langsam durch den Ort fahren müssten. Nur hat diese Gemeindevertreterin vergessen, dass man als Rollifahrer keine Knautschzone hat.
Sie hat sich als Seniorenbeauftragte selbst disqualifiziert

Auch verschiedene Varianten der Rollstühle spielen eine große Rolle.

Während jemand mit einem voll-elektrischen Rollstuhl und Ballonreifen Steigungen bis zu 20% schafft und zudem können hiermit auch Bordsteinkanten überwunden werden,

Elektrorollstuhl mit Federung

 

 

 

 

 

Rollstühle mit Zusatzantrieb dagegen können bis 12 % überwinden und benötigen Absenkungen

Rollstuhl mit elektrischer Kraftunterstützung ohne Federung

 

 

 

 

 

wogegen eine schwache Person mit einem manuell angetriebene Rollstuhl höchstens 6 % Steigung überwinden kann.

Activ Rollstuhl ohne Zusatzantrieb. Fortbewegung durch Muskelkraft
Activ Rollstuhl ohne Zusatzantrieb. Fortbewegung durch Muskelkraft

 

 

 

 

 

 

Um dies zu verdeutlichen, um eine Stufe mit 16 cm Höhe zu überwinden bedarf es eine 2,7 m lange Rampe.

Ein weiteres Beispiel sind öffentliche Räume: Der Zugang ist wenn man Glück hat zwar ebenerdig, doch ist der Weg durch Mobiliar verstellt

fehlende Barrierefreiheit, barrierefreier Zugang durch Tisch verstellt
barrierefreier Zugang durch Tisch verstellt

oder die Toiletten befinden sich im Keller oder der Zugang per Rollstuhl ist nicht möglich.

 

 

Werbeaufsteller vor Geschäften werden für Blinde schnell zu gefährlichen Stolperfallen.

Versperrte Gehwege, durch Autos, Mülltonnen, Buschwerk und sonstige Gegenstände sind nach StVO nicht nur verboten, sondern auch hinderlich bis gefährlich nicht nur für Blinde und mobilitätseingeschränkte Personen, auch Eltern mit Kinderwägen werden hier gezwungen die Fahrbahnen zu benutzen.

Hier gibt der Gesetzgeber den Gemeinden geeignete Mittel zur Verhinderung und Beseitigung an die Hand.
Sie müssen nur genutzt werden.

Unzählige Beispiele könnten hier angeführt werden.

Der Gesetzgeber geht mit den Vorschriften immer von den Schwächsten aus, dies sollten sich die Verantwortlichen, ob im privatrechtlichen Bereich oder im öffentlichen Raum immer vor Augen halten.

Liebe Verantwortliche, holen sie sich die nötige Hilfe bei Betroffenen, Selbsthilfegruppen und Fachleuten.

Alle gesetzlichen Vorschriften finden sie auch unter:
www.nullbariere.de

Entweder barrierefrei oder nicht barrierefrei, ein bisschen Barrierefreiheit gibt es nicht!
Jeder jetzt falsch gesparte Euro kommt uns allen später sehr teuer zu stehen!

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