Barrierefreies Kino? – Mehr schlecht, als recht

Barrierefreies Kino? – Mehr schlecht, als recht
Wer kennt es nicht?

Ein neuer Blockbuster läuft im Kino an und hat dazu noch an einem Samstagabend Langeweile. Dazu kommt noch Heißhunger auf kleine Snacks wie Nachos mit Käse-Dip oder Popcorn. Wenn man jetzt nicht unbedingt Lust darauf hat 45 Minuten über die Autobahn zum absolut perfekten und nahezu gänzlich barrierefreien Cineplex Kino in Dettelbach zu düsen, kommt man in Schweinfurt ziemlich schnell zu einem sehr nüchternen Ergebnis.

Das mittlerweile länger geschlossene Roxy Kino, war nicht unbedingt barrierefrei. Dennoch konnte man eine mittelgroße Eingangsstufe mit Hilfe irgendwie überwinden. Man stand zwar im Gang und wahrscheinlich auch im Fluchtweg, aber immerhin hatte man einen schönen Blick auf die Leinwand.

Das Union Kino ist mittlerweile auch geschlossen. Man konnte an der Seite über die Notausgänge ganz bequem reinfahren. Man konnte sich an einen der oberen Plätze in den Gang stellen. Auch hier genoss man eine gute Sicht auf die Leinwand.

Das Welt Bio Kino in Schweinfurt ist eines der ältesten Schweinfurter Kinos und immer noch in Betrieb. Es ist sogar recht populär. Allerdings ist es bautechnisch bedingt absolut nicht barrierefrei und kann auch nicht barrierefrei gemacht werden, da es sich um einen Altbau handelt.

Nach einer fixen 6-monatigen Bauphase eröffnete Mitte 2009 ein neues hochmodernes Multiplexkino namens Filmwelt Schweinfurt die Pforten. Ausgestattet mit 2 Behindertenparkplätzen direkt vor dem Eingang des Kinos, sowie ausdrücklich darauf hinweisend, dass das Kino Rollstuhlplätze in jedem der 7 Kinosäle hat, rieb ich mir die Hände. Endlich spontan wieder mal ins Kino gehen können, ohne großartig für die Fahrt zu planen.

Die Ernüchterung

folgte recht schnell. Als ich beim Bezahlen für das Ticket darauf hingewiesen wurde, dass die Plätze für Rollstuhlfahrer in der ersten Reihe sind, merkte ich in mir ein ungutes Gefühl aufkommen. Generell sind Plätze in der ersten Reihe bei Kinobesuchen mehr als suboptimal und unbeliebt. Man befindet sich lediglich 2,50 m bis 3 m von der ca. 10 m großen Leinwand entfernt. Zum Teil hat man die gesamte Leinwand aus der vordersten Reihe nicht einmal komplett im Blickfeld. Bei Filmen mit actiongeladenen Szenen muss man zum Teil den Kopf von links nach rechts drehen bzw. rauf und runter, weil man einfach zu nah an der Leinwand sitzt. So macht Kino keinen Spaß!

Da stellt man sich die Frage, wie der Bauherr sich das vorgestellt hat. Als Rollstuhlfahrer hat man hier den Eindruck, dass beim Planen dieses in 2009 geöffneten Kinos, wenig Wert auf wirkliche Barrierefreiheit und Inklusion gelegt worden ist. Man hat es sich einfach gemacht und lediglich die gesetzlichen Mindestanforderungen und Vorschriften erfüllt. Eine Vermutung, dass der Kontakt zum Behindertenbeirat der Stadt Schweinfurt bezüglich Fragen zur Teilhabe und Inklusion wahrscheinlich nie stattgefunden hat, bleibt erhalten. Denn so etwas würde man wahrscheinlich nicht durch winken.

In Zukunft heißt es für mich, ich muss doch den weiten Weg nach Dettelbach machen.

Der richtige Weg zum Hilfsmittel

Der richtige Weg zum Hilfsmittel

Der erste Schritt zur Hilfsmittelversorgung geht über ihr Sanitätshaus des Vertrauens. Teilen Sie mit sie hätten gerne eine Beratung für ein Hilfsmittel das sie möchten (z.B. Rollstuhl oder Patientenlift). Das Sanitätshaus bringt Ihnen ein Vorführmodell vorbei oder ein Außendienstmitarbeiter des Herstellers kommt zusammen mit einem Mitarbeiter des Sanitätshauses zu Ihnen nach Hause um sie so gut wie möglich und nach bestem Gewissen zu beraten. Man notiert verschiedene Sachen für den Bestellprozess, wie z.B. Sonderbau Ausführungen. Dem Sanitätshaus wird ein Kostenvoranschlag geschickt.

Kostenträger für Hilfsmittel

ist in der Regel ihre Krankenkasse. Ist dies nicht der Fall, leitet die Krankenkasse ihren Antrag an die zuständige Kostenstelle weiter. Mögliche andere Kostenträger sind die Berufsgenossenschaft, Fürsorgestellen oder das Sozialamt. Privat Krankenversicherte sollten mit ihrer Krankenversicherung vorher Kontakt aufnehmen, um abzuklären inwieweit bestimmte Hilfsmittel im Leistungskatalog enthalten sind.

Wichtig für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist das vorlegen einer ärztlichen Verordnung (Rezept). Es sollte die genaue Bezeichnung des Hilfsmittel, sowie des benötigten Zubehörs und die Diagnose mit ICD Code draufstehen. Hilfsmittel fallen nicht unter die Budgetierung, das heißt sie belasten nicht das Heilmittelbudget des verschreibenden Arztes.

Die ärztliche Verordnung lassen Sie bitte dem Sanitätshaus zu kommen. Der Kostenvoranschlag wird mitsamt der ärztlichen Verordnung vom Sanitätshaus an die Krankenkasse weitergeleitet. Über die beantragte Leistung hat die Krankenkasse 3 Wochen Zeit. Sollte ein externer Gutachter (z.B. MDK) hinzugezogen werden, verlängert sich die Frist um weitere 2 Wochen, also auf 5 Wochen.

Sollte die Frist überschritten werden, ohne dass sie von ihrer Krankenkasse gehört haben, gilt die Genehmigungsfiktion. Das heißt, sie dürfen sich das Hilfsmittel selber anschaffen und ihrer Krankenkasse in Rechnung stellen. Dies wurde 2013 durch das Patientenrechtegesetz (SGB V § 13 Absatz 3a) bestimmt.

Unter Umständen kann es vorkommen, dass die Krankenkasse bei Ihnen oder Ihrem Arzt eine Stellungnahme anfordert. Eine Beschreibung der Person mit Name, Diagnose und Alter, sowie auftretenden motorischen, sensorischen oder kommunikativen Problemen sollten aussagekräftig rüber gebracht werden. Ebenso sollte die Beratung inklusive erfolgreicher Erprobung und die zu erwartende Verbesserung nach der Ausstattung mit dem Hilfsmittel erwähnt werden.

Krankenkassen

können vor Bewilligung eines Hilfsmittels eine Prüfung durch den medizinischen Dienst (MDK) anordnen. Der MDK kann seine Entscheidung durch einen Besuch oder nach Aktenlage herbeiführen. Die Beauftragung eines unabhängigen Beraters ist nach Meinung von Fachleuten nicht rechtens und einer Weitergabe Ihrer persönlichen Daten zur Überprüfung an den unabhängigen externen Berater sollten Sie ablehnen.

In vielen Fällen wird pauschal eine Ablehnung der Kostenübernahme schriftlich per Brief mitgeteilt. Üblicherweise finden Sie am Ende der Ablehnung einer Rechtsbehelfsbelehrung. Sie haben innerhalb eines Monats Zeit Widerspruch gegen diesen Bescheid einzulegen. Dieser Widerspruch kann formlos erfolgen. Es sollte per Einschreiben geschickt oder gegen Unterschrift in der Geschäftsstelle ihrer Krankenkasse abgegeben werden. Die ausführliche Begründung kann in einem späteren Zeitraum nachgereicht werden. Hierzu finden Sie Hilfestellungen bei diversen Sozialverbänden wie z.B. dem VdK.

Wenn Sie eine Genehmigung der Kostenübernahme ihrer Krankenkasse in ihrem Briefkasten haben, setzen Sie sich bitte mit ihrem Sanitätshaus in Verbindung. Unter Umständen kann es vorkommen dass sie eine Genehmigung früher in den Händen halten wie ihr Sanitätshaus. Somit kann man die Bestellung früher in Auftrag geben und somit verkürzt sich die Wartezeit auf ihr neues Hilfsmittel. Sobald ein Liefertermin bekannt ist wird es Ihnen vom Sanitätshaus telefonisch mitgeteilt.

Der perfekte Rollstuhl

Der perfekte Rollstuhl,
eine abenteuerliche Suche – ohne zufriedenstellende Lösung.

Ein Text von Adrian Tudyka.

Wenn man als Mensch mit Behinderung auf einen Rollstuhl oder sogar Elektrorollstuhl angewiesen ist, verbringt man sehr viel Zeit des Tages auf seinen 4 Buchstaben. Umso wichtiger ist es einen Rollstuhl zu haben, der für die eigenen Bedürfnisse perfekt angepasst ist. Er muss die Behinderung ausgleichen. Der Sitz sollte bequem sein. Wendig müsste er sein. Vielleicht müsste er sogar ins Auto passen.

Ist man aber schwerbehindert und braucht viele spezialangefertigte Sachen, stößt man schnell an die Grenze des machbaren. Ebenso sind Sonderbau-Anfertigungen sehr schnell sehr teuer. Es muss ja schließlich extra für jemanden gebaut werden und ist kein Produkt von der Stange.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es leider keine perfekte Lösung für Behinderte bzw. Schwerbehinderte gibt. Mal ist der Sitz zu hoch und man passt mit den Knien somit nicht mehr unter den Tisch. Dann ist der Rollstuhl zu breit oder zu lang und kommt in der Wohnung nicht mehr so einfach durch. Die eine oder andere Firma ist bei Reparaturen unzuverlässig. Die Elektronik von der Firma A kann man nicht mit der Steuerung der Firma B bestellen.
Selbst beim Vorführen von verschiedenen Modellen im eigenen Heim, kommen auch die Mitarbeiter der Hersteller schnell ans Ende ihrer Möglichkeiten.
Egal was es ist, es wird immer irgendwo Haken.

Das Problem dabei ist, dass wir als Behinderte auf Kompromisse eingehen müssen, damit unsere Behinderung ausgeglichen werden kann. Das ist keine zufriedenstellende Lösung. Es fehlt ein einheitlicher Standard solcher Hilfsmittelhersteller. Hinzu kommen noch die unverschämt hohen und absolut unberechtigten Preise der Hersteller, die immer ein Dorn im Auge der Krankenkassen sind.

Für so einen teuren Preis erwarte ich, dass ein Rollstuhl so ist wie ich ihn möchte. Denn im Mittelpunkt stehe ich. ICH.

Euerbach schließt erneut Behinderte aus.

Das Ausschließen von Behinderten an Veranstaltungen der Gemeinde Euerbach zeigt langsam Methode.

Die Gemeinde Euerbach lädt auch heuer wieder zu einer Ausfahrt für ihre Senioren ein.

Euerbach Veranstaltung nicht für Behinderte
Euerbach Veranstaltung nicht für Behinderte

Leider besteht keine Möglichkeit für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ( Rollstuhl, Scooter usw.) daran teil zunehmen.

Die angegeben Bushaltestellen sind nicht barrierefrei gestaltet.
Keine Hinweise auf die Zugänglichkeit von Bus und Veranstaltungsorten für Behinderte .
Bereits im vergangenen Jahr wurde der Seniorenbeauftragte der gleichzeitig auch als Behindertenbeauftragter der Gemeinde Euerbach agiert schriftlich auf diesen Missstand hingewiesen. Seine damalige lapidare Antwort:
„Ihm sei nicht bekannt, dass es im Landkreis barrierefreie Busse gäbe“.

Die Selbsthilfe Körperbehinderter Schweinfurt e. V. unternimmt jährlich 2 Reisen mit barrierefreien Bussen.

Die beiden gemeindlich bestellten Senioren.- und Behindertenbeauftragten Gerstner und Müller, sollten sich ernsthafte Gedanken machen um dieser Art von Ausgrenzung zu beenden.

Nach der aktuelle geltenden Rechtsauffassung handelt sich bei diese Vorgehensweise um einen klaren Fall von Diskriminierung. Behinderten werden, hier von der Teilhabe von vornherein ausgeschlossen.

Baumwipfelpfad Steigerwald im Rollstuhltest

Baumwipfelpfad Steigerwald für Rollstühle mit Restkraftverstärker geeignet.


Heute berichten wir über unseren Besuch beim Baumwipfelpfad Steigerwald an der B 22 bei Ebrach.

Parkmöglichkeiten

Bei der Ankunft erwarten uns 4 Behindertenparkplätze, von denen bereits am Montagfrüh um 10 Uhr 3 Stück belegt waren. Hier lässt vermuten, dass bei einer Besucherzahl von bis 30.000 an manchen Wochenenden, diese bei weitem nicht ausreichen.  Als Alternative bleiben dann nur noch die Parkplätze für Busse, da die Stellplätze für PKW’s zu weit entfernt angelegt sind.

Beschwerlicher Zugang

Über einen ca. 300 m langen Schotterweg mit einigen zu steilen Stellen

Baumwipfelpfad Steiler Aufstieg für Rollstuhlfahrer
Baumwipfelpfad: Steiler Aufstieg für Rollstuhlfahrer

gelangt man vorbei am Sozialgebäude, zum Eingang

Baumwipfelpfad Steigerwald Eingang
Baumwipfelpfad Steigerwald Eingang

des Pfades. Für manuelle Rollstühle ohne Begleitung ist dies nicht zu schaffen. Selbst mit Restkraftverstärker bedarf es einiger Anstrengung und Unterbrechungen um den Anstieg zu bewältigen.
Lt. Auskunft des Kassenpersonal ist es nicht gestattet den Weg mit PKW zu befahren um wenigsten die Betroffenen dort aussteigen zu lassen.
Hier sollten die Verantwortlichen nach Lösungsmöglichkeiten suchen.

Baumwipfelpfad Steigerwald im Rollstuhltest weiterlesen

Ortsbegehung in Euerbach

Geplante Ortsbegehung zur Barrierefreiheit in Euerbach dank nachhaltigem Einsatz


Die Behindertenbeauftragte von Euerbach Frau Verena Gerstner hat zusammen mit Bürgermeister Arnold eine Begehung mit dem VDK angeregt. Nicht zuletzt durch das Engagement von Herrn Norbert Sandmann wurde die Notwendigkeit hierzu von den Gemeindevertretern erkannt.  Eine solche Ortsbegehung ist notwendig damit Problemstellen erkannt und gezielt beseitigt werden können. Die Inspektion wird alle 3 Ortsteile beinhalten und somit eine nicht unerhebliche Anzahl an vermeidbaren Barrieren aufzeichnen. Allerdings bleibt hier abzuwarten in wie fern eine nachhaltige Beseitigung umgesetzt wird.

Ortsbegehung: Euerbacher Gehwege für Rollstühle ungeeignet
Euerbacher Gehege für Rollstühle ungeeignet

 

Ortsbegehung: Gepflasterte Plätze - eine große Barriere
Gepflasterte Plätze – eine große Barriere

Wir werden uns mit unseren Anregungen an der Besichtigung beteiligen und die Hindernisse für Menschen mit Mobilitätseinschränkung  und Sehbehinderung aufzeigen.

Euerbach hat nun 2 öffentliche Behinderten WC ’s

Bestehende Behinderten WC ’s wurden für die Öffentlichkeit geöffnet.

 

 

Behinderten WC an der Schäfewiese
Behinderten WC an der Schäfewiese

Nach Antrag des Gemeindebürgers und selbst Betroffenen Norbert Sandmann wurde das bestehende Behinderten WC an der Schäferwiese der Gemeinde Euerbach für alle Inhaber eines Euro-Schlüssels zugänglich gemacht.
Zudem wurde die ebenfalls vorhandene Behindertentoilette im Rathaus für die Öffentlichkeit ausgeschildert uns somit den Betroffenen geöffnet.

Wegweiser zur Behinderten Toilette in Euerbach
Wegweiser zur Behinderten Toilette in Euerbach

 

Behindertentoilette auf http://wheelmap.org
Behindertentoilette auf http://wheelmap.org

Auch wurde eine entsprechende Beschilderung und Wegweisung ab der Hauptstraße installiert. Der genaue Standort ist unter http://wheelmap.org ersichtlich

Behindertenparkausweis

Behindertenparkausweis / Parkerleichterungen


(Quelle: http://www.verkehrslexikon.de )
Vielfach werden besondere Parkgelegenheiten für außergewöhnlich gehbehinderte oder blinde Schwerbeschädigte eingerichtet, die dann nur von dafür berechtigten Personen mit einer entsprechenden Ausnahmegenehmigung benutzt werden dürfen.

Es muss insoweit aber unterschieden werden zwischen einem Schwerbehindertenausweis mit der Kennzeichnung aG oder Bl (außergewöhnliche Gehbehinderung oder Blindheit) und einem Parkausweis. Der Behindertenausweis muss der Straßenverkehrsbehörde vorgelegt werden, um einen Behindertenparkausweis zugeteilt zu bekommen.

Nach der einschlägigen bundesrechtlichen Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 StVO in der Fassung der Änderung vom 4. Juni 2009 können Parkerleichterungen im Wege von Ausnahmegenehmigungen „für Schwerbehinderte mit außergewöhnlicher Gehbehinderung sowie für Blinde“ erteilt werden.

Schwerbehinderte mit außergewöhnlicher Gehbehinderung sind danach Personen, die sich wegen der Schwere ihres Leidens dauernd nur mit fremder Hilfe oder nur mit großer Anstrengung außerhalb ihres Kraftfahrzeuges bewegen können. Hierzu zählen:

Querschnittsgelähmte, doppeloberschenkelamputierte, doppelunterschenkelamputierte, hüftexartikulierte und einseitig oberschenkelamputierte Menschen, die dauernd außerstande sind, ein Kunstbein zu tragen, oder nur eine Beckenkorbprothese tragen können oder zugleich unterschenkel- oder armamputiert sind sowie andere schwerbehinderte Menschen, die nach versorgungsärztlicher Feststellung, auch auf Grund von Erkrankungen, dem vorstehend angeführten Personenkreis gleichzustellen sind.

Bei Erfüllung dieser Voraussetzungen besteht ein Anspruch auf Eintragung des Merkzeichens „aG“ in den Schwerbehindertenausweis.

Ob der Genehmigungsbehörde ein eigenes Ermessen eingeräumt ist, weitere Personen oder andere Leiden in den Begünstigungskreis für Parkerleichterungen einzubeziehen, oder ob insoweit eine strikte Bindung an die Merkzeichenentscheidung der Versorgungsbehörde besteht, die dann selbst die Gerichte binden soll, ist in der Rechtsprechung strittig.

Zu den Parkerleichterungen, die in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 StVO (VwV-StVO, BAnz 2009, S. 2050 ff. = VkBl. 2009, S. 386 ff.) unter I. genannt werden, gehören z.B. die Gestattung,

  • im eingeschränkten Halteverbot bis zu drei Stunden zu parken,
  • im Bereich eines Zonenhalteverbots die zugelassene Parkdauer zu überschreiten,
  • in Fußgängerzonen während freigegebener Ladezeiten zu parken,
  • an Parkuhren und Parkscheinautomaten ohne Gebühr und zeitliche Begrenzung zu parken,
  • auf Parkplätzen für Anwohner bis zu drei Stunden zu parken
  • und in verkehrsberuhigten Bereichen außerhalb der gekennzeichneten Flächen zu parken, sofern in zumutbarer Entfernung keine andere Parkmöglichkeit besteht.
Blauer Behindertenparkausweis
Blauer Behindertenparkausweis

Nachgewiesen wird die Berechtigung entweder durch den (hellblauen)  EU-einheitlichen Parkausweis für behinderte Menschen (VkBl. 2000, S. 624/625)

 

 

oder durch einen besonderen (orangefarbenen) Parkausweis (BAnz. 2009, S. 2054/2056).

Orangener Bindertenparkausweis
Orangener Bindertenparkausweis

 

 

 

 

 

Die einmal erteilte Ausnahmegenehmigung muss im Original gut lesbar im Fahrzeug ausgelegt werden. Eine Kopie genügt nicht, das sonst eine Mehrfachbenutzung zur selben Zeit an verschiedenen Orten durch verschiedene Personen möglich wäre.

Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer – Hartnäckigkeit lohnt sich

Lebensmittelkette stattet Filiale mit einem Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer aus!


Nach unserem intensivem Schriftverkehr mit der Lebensmittelkette TeGut entschloss sich die Geschäftsführung in Fulda immerhin eine ihrer Filialen mit einem Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer auszustatten.

Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer
Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer der Fa. Wanzl

Was in der heutigen Zeit zur Standartausstattung eines jeden Lebensmittelhändlers gehören sollte bedurfte erst einen intensiven Schriftverkehr über einen Zeitraum von sage und schreibe 6 Monaten, da diese nach Auskunft der Kundeninformation nicht mehr in des Ladenkonzept von TeGut gehören würde.

Erst eine Schreiben an die Geschäftsleitung der Handelkette  brachte eine wenn auch sehr kleine Wende.

Nun wird zumindest die Filiale Gretel-Baumbach-Str. in Schweinfurt mit einem solchen Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer ausgestattet.

Bleibt zu hoffen, das alle Filialen in nächster Zeit nachgerüstet werden.

 

Erstmals „Runder Tisch“ zum Thema Inklusion und Barrierefreiheit im Landratsamt Schweinfurt

Herzensangelegenheit für Landrat Töpper – Jeder kann zu einem
unvorhersehbaren Zeitpunkt selbst zu einem Behinderten werden.
Erstmals hat im Landratsamt Schweinfurt ein Runder Tisch zum Thema Inklusion und Barrierefreiheit stattgefunden.
Im Bild: Landrat Florian Töpper (vorne Mitte) und der Behindertenbeauftragte des Landkreises Schweinfurt Konrad Bonengel (vorletzte Reihe rechts) begrüßten die Teilnehmer des ersten Runden Tisches zum Thema Barrierefreiheit und Inklusion im Landratsamt Schweinfurt. (Foto: Landratsamt Schweinfurt, Uta Baumann)

Erstmals hat im Landratsamt Schweinfurt ein Runder Tisch zum Thema
Inklusion und Barrierefreiheit stattgefunden. Von verschiedenen Seiten wie etwa den bestellten
gemeindlichen Behindertenbeauftragten sowie Behindertenverbänden wurde der Wunsch nach solch einer Veranstaltung an ihn herangetragen, um sich stärker zu vernetzen und gegenseitig Hilfestellung zu geben.

Gerne griff Landrat Töpper diese Idee zusammen mit Konrad Bonengel, dem
Behindertenbeauftragten des Landkreises Schweinfurt, auf. „Die Barrierefreiheit für Behinderte ist
für mich eine Herzensangelegenheit“, so Landrat Töpper. Es gelte, die Schwierigkeiten von
Behinderten den Nichtbehinderten zu vermitteln, da Jedermann zu unvorhersehbaren Zeitpunkten
selbst zu einem Menschen mit Behinderung werden kann.
Er berichtete den Anwesenden, dass der Landkreis Schweinfurt selbst ein Partner der Lebenshilfe
beim Inklusionsprojekt „Eine Region wird aktiv – Arbeit inklusiv“ sei. Die Umsetzung des
Inklusionsgedankens in seinen vielfältigen Facetten werde im Landratsamt sehr ernst genommen
und stelle eine breite Querschnittsaufgabe in vielen Abteilungen und Sachgebieten dar.
Alle Teilnehmer waren sich einig, dass diese Gesprächsrunde aus Vertretern des Landratsamtes,
der gemeindlichen Behindertenbeauftragten, Vertretern der offenen Behindertenarbeit, dem Blinden-
und Sehbehindertenbund, der Selbsthilfegruppen Körperbehinderter und Hörgeschädigten sowie
weiteren Behindertenverbänden regelmäßig stattfinden sollte. Der Austausch untereinander sei
wichtig, auch um dem Gefühl vorzubeugen, alleine in diesem Bereich tätig zu sein.
Wünschenswert sei es dazu auch, die Gemeinden im Landkreis stärker zu sensibilisieren. Aktuell
haben von 29 Gemeinden/Städten und Märkten im Landkreis Schweinfurt bereits zwölf Kommunen
einen gemeindlichen Behindertenbeauftragten bestellt. Die Bestellung ist nach dem Bayerischen
Behindertengleichstellungsgesetz eine „Soll“-Vorschrift und somit eine freiwillige Aufgabe. Und es
geht voran: Aktuellstes Beispiel ist die Gemeinde Geldersheim, die auf Anregung des Landratsamt Schweinfurt in ihrer jüngsten Sitzung nun einen Behindertenbeauftragten bestellt hat. Eine erst
vor kurzen erfolgte Abfrage des Landratsamtes hat zudem ergeben, dass auch die Gemeinde
Wipfeld in Kürze einen Behindertenbeauftragten bestellen will.
Bei neuen öffentlichen Bauvorhaben sollte auf Barrierefreiheit geachtet werden, lautete eine weitere
Forderung der Gesprächsrunde. Das betreffe nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch z.B. die
Bedürfnisse von Gehörgeschädigten. Es gilt, Ideen für mehr Barrierefreiheit „auch in den Köpfen“ zu
entwickeln.
Melanie Höller von der Lebenshilfe sowie Karin Eberle von der Freiwilligenagentur Gemeinsinn
warben für das Projekt „Freiwilliges Arbeiten für Menschen mit Behinderung“ und luden zu einem
Informationsabend in die Werkstatt Sennfeld der Lebenshilfe am 7.Juni ein. Nähere Informationen
gibt es auf der Internetseite der Lebenshilfe unter www.lebenshilfe-schweinfurt.de oder per E-Mail
an offene-hilfen@lh-sw.de.